Länger arbeiten? Es sind eh schon so viele arbeitslos | Gerald Loacker
Unsere Lebenserwartung steigt alle fünf Jahre um zirka ein Jahr. Dass wir diese zusätzliche Lebenszeit zumindest teilweise auch arbeitend und nicht zur Gänze als zusätzliche Pensionszeit genießen werden, ist mehr eine Frage der Mathematik als eine Frage des Wollens.
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Länger arbeiten? Es sind eh schon so viele arbeitslos

Unsere Lebenserwartung steigt alle fünf Jahre um zirka ein Jahr. Dass wir diese zusätzliche Lebenszeit zumindest teilweise auch arbeitend und nicht zur Gänze als zusätzliche Pensionszeit genießen werden, ist mehr eine Frage der Mathematik als eine Frage des Wollens. Wir werden also nicht weiterhin immer älter werden, ohne dass sich am Pensionsantrittsalter von 59 Jahren etwas ändert.

Aber wenn die Leute später in Pension gehen, gibt es ja noch mehr Arbeitslose!“ wird mir oft entgegengehalten.

Erscheint auf den ersten Blick einleuchtend. Wer in Pension ist, ist vom Arbeitsmarkt weg. Also ein Job frei, ein Arbeitsloser wird untergebracht – feine Sache. Zunächst ist allerdings festzuhalten, dass es nicht die Funktion des Pensionssystems ist, Arbeitslosigkeit zu kaschieren. Arbeitsmarktprobleme sind mit den Mitteln der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zu lösen.

Darüber hinaus ist der gedankliche Ansatz falsch. Er geht davon aus, dass die Nachfrage nach Arbeit eine feste Größe wäre, die auf die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte aufgeteilt wird. Mehr Arbeitskräfte ergäben nach dieser Logik automatisch mehr Arbeitslose. Man nennt diese Meinung „lump of labor fallacy. In Wirklichkeit passt sich die Nachfrage dem steigenden Angebot mittelfristig an, sodass es nur kurzfristig und teilweise zu einer höheren Arbeitslosigkeit kommt. Das AMS geht davon aus, dass zwei Drittel des zusätzlichen Arbeitskräfteangebots selbst kurzfristig in mehr Beschäftigung resultiert. „Der Haupteffekt ist“, sagt AMS-Chef Johannes Kopf, „dass die Leute länger im Job bleiben.“

Manche Ökonomen, wie das Team von Agenda Austria, sehen diese Frage noch entspannter und gehen davon aus, dass Junge auf dem Arbeitsmarkt von einem steigenden Pensionsantrittsalter so gut wie gar nicht betroffen sind.

Natürlich gibt es einiges zu tun: eigenverantwortliche sowie betriebliche Gesundheitsarbeit, die Einführung einer echten Teilpension, die Abflachung der Senioritätseffekte in österreichischen Gehaltssystemen und vieles mehr. Aber all das erspart uns nie eine echte Pensionsreform, die mittels Pensionsautomatismus die steigende Lebenserwartung abbildet.

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